One Comment

  1. Frieder Nake

    Am Samstag des Symposium gab es ein paar interessante, sogar spannende Momente, in denen es ums Publizieren online, elektronisch, open source und solches ging. Die Aufforderung erging, man solle doch kurz von Erfahrungen mit Twitter und Blogs und solchem berichten. Einige folgten dem. Kaum anders zu erwarten: In der Kürze der Zeit tat sich eine zerklüftete Landschaft auf, wilder vielleicht als die, die uns hier umgibt am Comer See.

    Ich gehöre zu denen, die keinen Blog lesen, schon gar nicht und niemals bisher zu solchem beigetragen haben. Aus dem schlichten Grund, dass ich die Zeit dafür nicht habe, sie mir jedenfalls nicht nehme.

    Wenn ich hier nun ein paar Kommentare einstreue, so gehe ich nicht davon aus, dass jemand sie liest. Schon gar nicht, dass solches eine Debatte erzeugen könnte. Wieso sollte es? Alle haben wir, haben Sie keine Zeit oder eben nehmen Sie sie sich nicht. Würde ich die eine oder andere Beleidigung oder andere Schweinerei einstreuen, sähe das vielleicht anders aus. Aber ich liefere jetzt eine Bemerkung.

    Es gab nämlich am Samstag des Symposiums auch eine nette Aufforderung, ich sah sie als an mich gerichtet, noch mal das Thema oder den Aspekt der Zeichen auf oder mit „dem Computer“ oder so ein wenig zu erhellen. Und so fing ich, weil ich müde in der Hitze des Tages war, an, auf einem Zettel zu schreiben. Das Schreiben musste ich unterbrechen und abbrechen, als meine Aufmerksamkeit sich zurück meldete. Deswegen nun hier ein paar Sätze, die ich dem – aus meiner Sicht – manchmal schwer nur zu begreifenden Reden von nicht gerade Wittgensteinschem Willen zur Klarheit, wenn’s ans Reden kommt, entgegen halten möchte.

    Computer sind Maschinen.
    Selbstverständlich sind Computer Maschinen zu besonderem Zweck.
    Der Zweck von Computern ist Maschinisierung von Kopfarbeit.
    Gegenstände von Kopfarbeit sind nahezu beliebiger Art; oft aber sind sie bereits semiotischer Art.
    Resultate von Kopfarbeit werden in aller Regel, zumindest zunächst, semiotisch dargestellt, was heißt: Als Zeichen komplexer Art.

    Manche sagen deswegen, Computer seien semiotische Maschine. So wie andere Maschinen mechanisch genannt werden oder energetisch oder anders.

    Als semiotische Maschine werden Computer auf Zeichenprozesse angesetzt. Und ihr Operieren wird in Zeichen beschrieben und festgelegt („Software“).
    Computer können aber Zeichen NICHT bearbeiten, nur Signale. Denn ihnen fehlt die Fähigkeit der Interpretation.
    Rein formal jedoch können wir von Akten der Interpretation durch Computer sprechen. Wie gesagt: rein formal.
    Denn was bei uns als lebende (also sterbende) Wesen Interpretation ist, von Interesse und Willen geleitet im Horizont stets des Todes, erweist sich bei Computern als Akt der Determination.
    Determination ist der Grenzfall von Interpretation. Interpretation nämlich, die ein einziges Resultat hervorbringen, also bestimmen kann. Denn die Zeichen, die Computern angeboten werden, sind in streng regulierten Notationen vermerkt, die, da an Maschinen gerichtet, keine freie Interpretation erlauben.

    (Selbstverständlich können wir Zufälligkeiten einbauen, streng geregelte, weil berechenbare Zufälligkeiten. Für Künstlerisches ist das in Ordnung. Für Rentenberechnung, Strafzettel oder Atomkraftwerke aber vermutlich doch nicht.)

    Das Wesentliche an der Verwendung von Computern, am Denken über Computer („Digitalität“) sind die Algorithmen und Geflechte von Algorithmen. Längst sind die für uns undurchschaut, wohl gar für den Einzelnen undurchschaubar geworden. Das lässt manche erschauern.

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