forTEXT – Routinen, Ressourcen und Tools

Im Februar 2017 ist an der Universität Hamburg das DFG-geförderte Projekt „forTEXT“ gestartet. Unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Christoph Meister arbeiten Jan Horstmann M.A.,  Janina Jacke M.A. (beide Literaturwissenschaft) und Marco Petris (Informatik) an der Entwicklung einer digitalen Arbeitsumgebung für Geisteswissenschaftler. Eine weitere Entwicklerstelle (50 % TV-L 13) ist derzeit noch nicht besetzt.

Ziel des Vorhabens forTEXT sind Aufbau und nachhaltige Bereitstellung einer virtuellen Forschungsumgebung für zwei grundlegende heuristische Verfahrensschritte philologischer Texterschließung: die kollaborative Text-­Annotation und ­-Analyse. Im Sinne des sogenannten ‚hermeneutic markup‘ (Piez 2010) sollen beide Methoden dabei so unterstützt werden, dass der hermeneutischen Praxis non­deterministischer, diskursiver Bedeutungszuschreibungen Rechnung getragen wird.

 

Der hermeneutische Zirkel in der traditionellen Literaturwissenschaft

 

Der hermeneutische Zirkel in den
digitalen Geisteswissenschaften

 

forTEXT eröffnet damit vor allen Dingen traditioneller arbeitenden Philolog*innen einen direkten, niedrigschwelligen und funktionalen Zugang zu digitalen Methoden. Damit wird ein zentrales methodologisches Desiderat eingelöst, das bei der Unterstützung geisteswissenschaftlicher Verfahren mit informations­technologischen Mitteln bislang kaum Beachtung erfahren hat, für die Akzeptanz digitaler Verfahren und Plattformen in den Philologien und anderen textorientierten Geisteswissenschaften jedoch von zentraler Bedeutung ist.

Konkret wird forTEXT folgende Dienste anbieten:

  • eine komplexe Empfehlungsfunktion (d. h. abgestimmt auf individuelle geisteswissenschaftliche Use-Cases schlägt die Funktion Routinen, Ressourcen und Tools zur digitalen Unterstützung der jeweiligen Arbeitsschritte vor),
  • eine umfassende Sammlung von Informationen über Routinen/Methoden/best practices (z. B. Topic Modeling, named entity recognition, Stilometrie, Netzwerkanalysen, taxonomiebasiertes kollaboratives Annotieren, etc.),
  • eine Übersicht über Ressourcen (digitale Korpora und Textsammlungen, Tagsets, annotierte Editionen) sowie die Implementierung vereinfachter Import- und Exportfunktionen,
  • ein Verzeichnis von existierenden Tools, welche die aufgeführten Routinen unterstützen, sowie die Bereitstellung von neuen intuitiveren Nutzeroberflächen für die konkrete Anwendung und Kombination ausgewählter Funktionalitäten.

Der Fortschritt des Projektes kann auf der forTEXT-Homepage fortext.net verfolgt werden. Im Rahmen des forTEXT-Projektes wird zudem die an der Universität Hamburg entwickelte webbasierte Annotations- und Analyseplattform CATMA konzeptionell fortgeführt und optimiert.

Außerdem arbeitet forTEXT eng mit dem an der Universität Hamburg angesiedelten Projekt 3DH zusammen. Die dort entwickelten interaktiven Möglichkeiten der Text- und Datenvisualisierung werden ebenfalls Eingang in die forTEXT-Arbeitsumgebung finden.

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Digital Humanities und biographische Forschung

Porträt von Ignaz Trebitsch-Lincoln (um 1943) mit Lebenslinien (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei; Grafik: Florian Windhager, vgl. Tagungsankündigung FernUniversität Hagen)

Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch und Dr. Eva Ochs (Institut für Geschichte und Biographie, FernUniversität Hagen) veranstalten vom 23. bis 24. Juni 2017 die Interdisziplinäre Tagung „Digital Humanities und biographische Forschung“.

Die Fachtagung, die im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs stattfindet, beschäftigt sich mit digitalen Sammlungen, der Publikation audio-visueller biographischer Quellen, computergestützten Analysen (Text- und Spracherkennung) sowie der Visualisierung von biographischem Datenmaterial. Ein weiterer Schwerpunkt wird die kritische Reflexion des Einsatzes digitaler Methoden im Forschungsprozess sein. Dabei sollen Fragen behandelt werden, die auch die Arbeit der Symposienreihe „Digitalität in den Geisteswissenschaften“ maßgeblich prägen, wie etwa:

  • Welche Bedeutung hat der „digital turn“ in den Geistes- und Kulturwissenschaften konkret für die Forschungspraxis?
  • Revolutionieren die Methoden der Digital Humanities den Umgang mit Quellen (hier v.a. Interviews, Autobiografien, Tagebücher, Briefe)?
  • Welche neuen Ziele, Erkenntnisse und Fragen generiert der „digital turn“?

Interessierte werden um Anmeldung per Mail gebeten.

Zeit: 23./24. Juni 2017
Ort: Bildungsherberge der FernUniversität Hagen
weitere Infos sowie das ausführliche Programm hier

 

 

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frouwe im 21. Jahrhundert

Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch goes digital! Seit März kann das Wörterbuch, das den Wortschatz des Hochdeutschen (des Oberdeutschen, Mitteldeutschen und Norddeutschen) von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts beschreibt und das in den 1980er Jahren von Oskar Reichmann konzipiert wurde, nun auch online genutzt wurden. Das historische Sprachstadienwörterbuch stellt ein ca. 400.000 Seiten umfassendes Korpus mit Textquellen sämtlicher Textsorten aus einer Zeit dar, in der der Buchdruck erfunden, Amerika entdeckt und die Welt vermessen wurde.

Das FBW-online basiert auf der Wiedergabe der Druckversion des FWB, bietet vielfältige Nachschlagemöglichkeiten und ermöglicht mit geplanten rund 100.000 Stichwörtern Einsichten in die Sprach- und Lebensweltdes späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, einer Zeit, in der entscheidende geistige und sozioökonomische Grundlagen für die Gegenwart der Neuzeit geschaffen wurden. Damit ist es ein wesentliches Hilfsmittel für alle Sprach- und Literaturhistoriker, Kulturwissenschaftler,Theologen und Philosophiehistoriker sowie Vertreter der Rechts- und Wirtschaftsgeschichte, die sich mit dieser Epoche beschäftigen.

Zum Wörterbuch gelangen Sie hier: https://www.fwb-online.de/

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Geschichte nach dem „Digital Turn“

Die Basel Graduate School of History und das GRAINES network organisieren in diesem Jahr eine Summer School zum Thema „History and its Sources – after the Digital Turn“.  Vom 5.9. bis zum 8.9. 2017 können sich Doktoranden und Doktorandinnen mit verschiedenen Aspekten der Digitalen Geschichtswissenschaft auseinandersetzen. Auf den Seiten der Universität Basel heißt es hierzu:

The event will be of particular interest to PhD students who are looking to explore the implications of digital history – qualitative and quantitative – for their own projects. The programme will provide opportunities to present and discuss research projects which involve source criticism after the digital turn, i.e. digital approaches to collecting sources and the application of digital technology to analyse these. Further topics of discussion will include qualitative or critical approaches examining the relationship between quantification and the digital turn, such as the history of statistics.

There will be four main thematic sessions addressing various fields of digital history, including databases as a tool for collecting and analysing sources; computational text analysis; geographical information systems (GIS); and approaches to quantitative and statistical history. Participants will have the opportunity to discuss the relevance of digital approaches for their own research, and propose topics for discussion groups.

Insbesondere ForscherInnen mit Projekten auf den Gebieten der Europäischen Geschichte und der Globalen Geschichte (Mittelalter bis Gegenwart) sind zur Bewerbung aufgerufen, die noch bis zum 15. April läuft.

Weitere Informationen zur Summer School sowie zur Bewerbung hier.

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Workshop zum digitalen Wandel

Im Rahmen unserer Symposienreihe „Digitalität in den Geisteswissenschaften“ fand am 23. und 24. März 2017 unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Huber (Universität Bayreuth, Neuere deutsche Literaturwissenschaft) und Prof. Dr. Sybille Krämer (Freie Universität Berlin, Philosohie) ein Workshop zum Thema „Neue Forschungsgegenstände und Methoden? Wie Digitalität die Geisteswissenschaften verändert“ an der Universität Bayreuth statt.

Forscherinnen und Forscher aus der Philosophie, Soziologie, Kunstwissenschaft, Archäologie, Japanologie, Wissenschaftsgeschichte, Musikwissenschaft, Zeitschriftenforschung, Kunst- und Literaturwissenschaft untersuchten anhand von konkreten Beispielen, wie sich der digitale Wandel auf das Wissen und die Forschungsgegenstände der einzelnen Disziplinen auswirkt.

Im Zentrum standen Fragen nach den grundlegenden Veränderungen, die digitale Forschungsstrukturen mit sich bringen: Wie verändert die Digitalisierung Forschungsgegenstände, Forschung und Selbstverständnisse in den Geisteswissenschaften? Welchen Mehrwert verspricht die digitale Aufbereitung und Analyse des Materials? Wie kann das ‚Neue‘ an Forschungsergebnissen, die allein mit digitalen Verfahren zu gewinnen sind, beschrieben und erklärt werden?

Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die kenntnis- und erkenntnisreichen Beiträge sowie die lebhaften und sehr aufschlussreichen Diskussionen!

Infos zu einer Publikation der Beiträge folgen in Kürze.

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Heute in einer Woche …

… beginnt unser zweitägiger Workshop „Neue Forschungsgegenstände und Methoden? Wie Digitalität die Geisteswissenschaften verändert“!

Der Workshop findet an der Universität Bayreuth statt und befasst sich anhand von konkreten Beispielen mit der Frage, wie sich Digitalität auf das Wissen und die Forschungsgegenstände der einzelnen geisteswissenschaftlichen Disziplinen auswirkt.

Wir freuen uns auf folgende Teilnehmerinnen und Teilnehmer (für Infos bitte auf den Namen klicken):

Ariana Borrelli

Jonas Bozenhard

Klaus-Georg Deck

Frank Fischer

Gustav Frank

Evelyn Gius

Ana Marija Grbanović

Elise Hanrahan

Stefan Heßbrüggen-Walter

Anouk Hoffmeister

Christian Lück

Maria Männig

Madleen Podewski

Thorsten Ries

Cornelia Schendzielorz

Friederike Schruhl

Peer Trilcke

Sebastian Trump

Tanja Wiehn

sowie auf alle Gäste und ZuhörerInnen! Das ausführliche Programmheft mit den Abstracts der geplanten Vorträge gibt es hier.

 

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Von der Selbstverständigung digitaler Kulturen

Seit Herbst 2013 entsteht am Digital Cultures Research Lab (DCRL) der Leuphana Universität Lüneburg die Research-Interview-Series „DCRL Questions – What are digital cultures?“. Sie versammelt mittlerweile über 100 Interviews mit WissenschaftlerInnen aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Verhandelt werden die Fragen: Was sind digitale Kulturen, was sind deren Chancen bzw. Gefahren und was liegt jenseits von ihnen. Julia Menzel sprach mit Prof. Dr. Martina Leeker über das Interview-Projekt.

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Zeitgemäßes Lernen und Lehren

Shrimp

 

Ein Gespräch mit Projektleiter Dr. Sebastian Herrmann über das digitale Lernmedium „Shrimp“

Social Hypertext Reader & Interactive Mapping Platform – kurz SHRIMP – ist der Titel eines Lehr-Lern-Experiments, das im Wintersemester 2015/16 am Institut für Amerikanistik der Universität Leipzig begonnen wurde: Das Lehrmaterial eines Seminars wird als Social Hypertext umgesetzt und über eine digitale Online-Platform in das Lehrangebot integriert.

Die Plattform will ein zeitgemäßes Medium sein, das einen individuellen, kreativen Leseprozess ermöglicht und gemeinschaftliches Lernen fördert. Es soll die Hochschullehre besonders in den Geisteswissenschaften bereichern.

1. SHRIMP wird von Ihnen und Ihrem Team als „Lehr-Lern-Experiment“ bezeichnet. Was genau muss man sich darunter vorstellen? Warum muss es SHRIMP geben?

SHRIMP ist ein Lehr-Lern-Experiment, weil sich beide ‘Seiten’ auf etwas Neues einlassen: die Studierenden müssen sich von der linearen Form lösen, in der sie normalerweise ihre Seminarinhalte angeboten bekommen, und sie müssen mit den social-media Möglichkeiten von SHRIMP spielen: liken, diskutieren, annotieren. Und die Lehrenden müssen sich auch davon lösen, dass die Studierenden die Sitzung vorbereiten, indem sie von vorne nach hinten alle genau den gleichen Text lesen. Bei diesen Umstellungen lernen alle Beteiligten sehr viel — über die Inhalte des Seminars, aber auch über die (eigenen) Lesestrategien, darüber, was einen selbst und die anderen in der Seminargruppe interessiert, und sogar darüber, wie die Linearität von Texten (und von Gedankengängen) funktioniert.

SHRIMP muss es geben, weil unsere Studierenden eine enorme Kompetenz im Umgang mit nichtlinearen, fluiden Textformen und mit dem gemeinsamen social-media-artigen Lesen mitbringen; eine Kompetenz, die wir gerade in der Studienanfangsphase nutzen wollen und sollten! Weiterlesen ›

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Rhythm detector: A digital tool to identify free verse prosody

Gastbeitrag von PD Dr. Burkhard Meyer-Sickendiek

Mindestens 80% der modernen und postmodernen Gedichte haben weder einen Reim noch ein festes Metrum wie etwa den Jambus oder Trochäus. Aber heißt dies, dass sie von rhythmischen Strukturen gänzlich frei sind? Die US-amerikanische Theorie der freien Versprosodie behauptet das Gegenteil: Moderne Dichter wie Whitman, die Imagisten, die Beatpoeten oder die heutigen Slam-Poeten hätten die klassischen metrischen Versformen durch eine neue Prosodie ersetzt, die von Prosarhythmen, Alltagssprache oder Musikstilen wie Jazz oder HipHop geprägt ist. Unser Projekt will diese Theorie auf der Grundlage einer digitalen Musteranalyse überprüfen.

Zu diesem Zweck untersuchen wir vier der bedeutendsten Internetseiten für eingelesene Gedichte deutscher und amerikanischer Lyriker. In Anlehnung an die sehr effektive Prosodieerkennung aktueller Sprachtechnologien wird unser Projekt einschlägige Methoden wie phrase break prediction, prosodische Phrasierung, spoken document Analyse und Disfluenzmodellierung zur digitalen Analyse rhythmischer Muster verwenden. In einem ersten Schritt wird das philologische Teilprojekt durch den Abgleich von textueller und stimmlicher Prosodie spezifische rhythmische Muster bestimmen. Das digitale Teilprojekt entwickelt daraus eine digitale Muster(wieder-)erkennung auf der Grundlage maschinellen Lernens.

Unser Ziel ist die Entwicklung einer Methode und einer Software zur digitalen Prosodieerkennung und formalen Korpusanalyse eigenrhythmischer Gedichte. Traditionelle Verslehren verwendeten metrische Muster wie etwa den Pentameter oder den Hexameter zur Identifikation literarischer Genres wie der Elegie oder literaturgeschichtlicher Einflüsse wie dem der griechischen Lyrik auf die deutsche Lyrik des 18. Jahrhunderts. Ebenso wird unsere Analyse rhythmischer Muster es künftig ermöglichen, poetische Formen eigenrhythmischer Lyrik oder den literarischen Einfluss der US-amerikanischen free verse prosody auf die deutschsprachige Lyrik der (Post-)Moderne präzise zu erfassen. Langfristig soll unser interdisziplinär entwickeltes Tool auf lyrikline.org platziert werden, um so für die universitäre Lehre und Forschung nachhaltig nutzbar zu sein.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.rhythmicalizer.net
Ein Paper der Projektgruppe finden Sie hier: Large-scale Analysis of Spoken Free-verse Poetry (Baumann/Meyer-Sickendiek)

Kontakt:
Timo Baumann
Department of Informatics
Universität Hamburg
baumann@informatik.uni-hamburg.de

Burkhard Meyer-Sickendiek
Department of Literary Studies
Freie Universität Berlin
bumesi@zedat.fu-berlin.de

 

 

 
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QuaDramA – Quantitative Drama Analytics.

 

An der Universität Stuttgart ist 2017 ein Forschungsprojekt zur quantitativen Dramenanalyse gestartet: QuaDramA – Quantitative Drama Analytics. Ziel des Projektes von Dr. Nils Reiter (Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung) und Dr. Marcus Willand (Institut für Literaturwissenschaft) ist zum einen die Entwicklung neuer Methoden zur Analyse dramatischer Texte und zum anderen die Untersuchung dramenhistorischer Entwicklungen. Kern ist dabei die Komplementierung von strukturellen Informationen in Dramen (Einteilung in Akte, Szenen etc.) mit einer computerlinguistisch unterstützten Analyse der Figurenrede(n).

Das Projekt wird in Zukunft von der VW-Stiftung im Rahmen der Mixed-Methods-Förderung unterstützt und erlaubt es uns, zwei Doktorandenstellen (65%, TV-L 13) auszuschreiben. Bewerbungshinweise finden Sie hier.

Projektvorhaben:
In QuaDramA erarbeiten wir die Möglichkeiten der skalierbaren Analyse dramatischer Texte, wobei wir insbesondere verschiedene Aspekte der dramatischen Figur fokussieren. Unser Korpus besteht aus über 600 digitalisierten deutschsprachigen Dramen, insbesondere aus der Zeit zwischen 1740 und 1920. Auf diesem Korpus verbinden wir Strukturanalysen mit der computergestützten Inhaltsanalyse dramatischer Figurenrede. Diese Verbindung beider Analyseformen erlaubt es uns, computerlinguistische tools der natürlichen Sprachverarbeitung (NLP) für die spezifische Domäne dramatischer Texte zu adaptieren. Struktur und Inhalt auf diese Weise analytisch zu integrieren ist nicht trivial, da sehr unterschiedliche Informationstypen in Abhängigkeit von einander systematisch analysiert werden müssen, um für eine differenzierte Textinterpretation fruchtbar gemacht werden zu können. Die empirischen Funde der Analysen werden neben der Einzeltext-Interpretation auch literaturhistorisch eingebunden. Dabei sind drei Aspekte der dramatischen Figur von zentraler Bedeutung:

  1. Figurentypen: Was sind Figurentypen (zärtlicher Vater/Intrigant/Narr) und von welchen Textmerkmalen werden sie konstituiert? Ist es möglich, Figurentypen automatisiert anhand dieser Merkmale zu identifizieren? Wie entwickeln sich einzelne Typen im Verlauf der deutschen Dramengeschichte.
  2. Figureninteraktion: Wie interagieren Figuren (und Figurentypen) mit anderen Figuren (und Figurentypen)? Worauf basieren ihre Beziehungen (Emotionen, Familie, soziale Zwänge) und wie verändert sich dies historisch? Gibt es prototypische Beziehungsmuster zwischen bestimmten Figurentypen (in spezifischen historischen Konstellationen)?
  3. Figurenentwicklung: Wie entwickeln sich dramatische Figuren und Figurentypen im Verlauf der Handlung eines Einzeltextes? Verändern sie ihre Position in Bezug auf den dramatischen Konflikt (Dynamik/Statik) und wenn ja, wie?

Weitere Informationen, Publikationen, Vorträge, unser Korpus und Code finden Sie auf unserer Projektseite: https://quadrama.github.io/

 

 

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