Digitale Schlegel-Edition

Startseite der „Digitalen Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels“

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Die digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels:

Konzept – Workflow – Praxis

Ein Beitrag von Dr. Claudia Bamberg (Marburg)

Seit 2012 entsteht an der Philipps-Universität Marburg und an der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) in enger Zusammenarbeit mit dem Trier Center für Digital Humanities eine digitale Edition der gesamten Korrespondenz des Übersetzers, Kritikers, Literaturhistorikers und Philologen August Wilhelm Schlegel (1767–1845), eines der Begründer der Romantik. Bereits seit Juni 2014 ist die Präsentationsoberfläche des Open-Access-Projekts in einer Beta-Version online (www.august-wilhelm-schlegel.de). Ende 2015 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Fortsetzung des Projekts um weitere drei Jahre mit aufgestocktem Personal bewilligt.

Rund 5.000 Briefe sind inzwischen frei im Internet zugänglich. Ziel des kooperativen Projekts ist es, den brieflichen Nachlass des einst in ganz Europa einflussreichen Romantikers vollständig ediert vorzulegen. August Wilhelm Schlegels Hauptnachlass liegt in der SLUB Dresden (zahlreiche Manuskripte sowie rd. 3.800 Briefe), größere Briefbestände besitzen die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar und die Jagellionen-Bibliothek in Krakau; der Rest ist auf über hundert Archive weltweit verteilt.

August Wilhelm Schlegel, als Shakespeare-Übersetzer nach wie vor in aller Munde, ist unter den deutschsprachigen Vertretern der Romantik der vielseitigste, aber bis heute der am meisten unterschätzte. Die defizitäre Erschließung seines Nachlasses hat lange Zeit seine Vernachlässigung in der Forschung mitbedingt. Die digitale Edition seiner gesamten Korrespondenz bietet eine neue Grundlage für die Erforschung der europaweiten Vernetzung romantischer Diskurse und Praktiken: Sie präsentiert zu jedem Brief das Handschriftenfaksimile (sofern zugänglich) und erarbeitet Metadaten in normierter Form – nach den Vorgaben der Gemeinsamen Normdatei (GND) der Deutschen Nationalbibliothek –, eine Transkription und eine inhaltliche Erschließung durch den Aufbau eines mehrgliedrigen Registers in digitaler Auszeichnung. Auch die bereits gedruckten Briefe werden in die Edition aufgenommen und sowohl mit dem Druckfaksimile als auch dem durchsuchbaren und inhaltlich erschlossenen Druckvolltext präsentiert.

Das DFG-Projekt steht auf zwei großen Säulen: Zum einen geht es um die philologische Bearbeitung der rd. 5.000 Briefe, die in der vom Trier Center for Digital Humanities entwickelten Editionsplattform „Forschungsnetzwerk und Datenbanksystem“ FuD erschlossen und ediert werden. Neben der Erfassung der Briefmetadaten und Images werden hier die Briefvolltexte der bereits gedruckten Schreiben erfasst und die noch nicht gedruckten Briefe neu transkribiert. Zu sämtlichen Briefen wird ein mehrgliedriges Register erarbeitet.

Zum anderen wirkt das Unternehmen an dem gegenwärtig in den Digital Humanities diskutierten Standardisierungsprozess für digitale Editionen mit. Wir bieten und verfeinern einen Open-Source-Workflow, der von ähnlich gelagerten Projekten nachgenutzt werden kann. So haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, für die Erfassung, Verzeichnung und die editorische Erschließung von Autographen, namentlich von Briefen, ein funktionierendes informatisches Modell bereitzustellen.

Denn nicht nur im Bereich der Metadaten und auf der Ebene des edierten Textes müssen Standards geschaffen werden. So beginnt der Workflow einer digitalen Edition oder auch einer digitalen Erschließung nicht erst mit der Verzeichnung der Metadaten, sondern schon viel früher: nämlich bei der Recherche, Beschaffung und Bereitstellung der Quellen. Das bedeutet, dass auch schon hier klare und einfach zu nutzende Standards im digitalen Medium vorhanden sein sollten.

Bislang fehlte ein solch allgemeinverbindlicher, d.h. allgemein nutzbarer und standardisierter Editionsworkflow, der die einzelnen Schritte beim Erarbeiten einer digitalen Edition von der Aufnahme der Handschriftendigitalisate aus den verschiedenen Archiven und Bibliotheken mit der normierten Verzeichnung der Metadaten über die Transkription und Präsentation der Quellen bis hin zur Langzeitarchivierung unterstützt.

Das von uns entwickelte beispielhafte Modell der Datenverarbeitung will diese Lücke eines fehlenden Autographenworkflows schließen. Der Open-Source-Workflow des Schlegel-Projekts erleichtert die Übermittlung der Daten und Handschriften, indem die Metadaten sofort normiert an zentraler Stelle, d.h. bei Kalliope (http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de/de/index.html) verzeichnet werden. Die von den EditorInnen im Zuge der philologischen Bearbeitung vorgenommenen Korrekturen und Ergänzungen an den Metadaten und an den Digitalisaten – immer wieder werden im Archiv Autographen unter falschem Namen inventarisiert oder Seiten vertauscht – werden an die zentralen Kataloge, die Archive und an externe Datenbanken zurückspielt.

Das heißt für die rd. 3.800 Schlegel-Briefe aus der SLUB Dresden, dass deren Metadaten zunächst in Kalliope verzeichnet wurden, so dass sie sofort für jedermann abrufbar sind. Von Kalliope wurden sie in die Digitalisierungssoftware Goobi (http://www.goobi.org/) übermittelt und hier mit den Image-Digitalisaten der Handschriften versehen. Von Goobi sind Metadaten und Image-Digitalisate sodann in die Digitalen Sammlungen der SLUB (http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/86157/1/) und von hier über OAI in die Editionsplattform FuD importiert worden, wo sie vom Marburger Editionsteam bearbeitet werden. Die Präsentationsoberfläche setzt direkt auf FuD auf.

In den kommenden zwei Jahren soll diese Rückspielung der von den Editoren korrigierten und ergänzen Daten möglich werden. Dazu wird derzeit in Kooperation mit der Staatsbibliothek Berlin eine symmetrische Schnittstelle entwickelt. Da jeder Briefdatensatz einen Identifier hat, ist diese Rückführung der korrigierten und ergänzten Daten zweifelsfrei möglich.

Als erster Pilotpartner des Schlegel-Projekts hat die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn ihre Schlegeliana (345 Briefe) in ihren digitalen Sammlungen aufbereitet (s. http://digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de/ulbbnhans/topic/view/2104594) und über OAI nach FuD importiert. Es zeigt sich, dass für die Etablierung einer solchen digitalen Infrastruktur eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen den Kooperationspartnern, zwischen Bibliothek und Fachwissenschaft, aber auch mit den einzelnen Archiven, die in unserem Fall über Briefautographen aus der Korrespondenz des Romantikers August Wilhelm Schlegel verfügen, unabdingbar ist.

Standen in der ersten Projektphase (2012–2015) zunächst der Aufbau des Workflows, die Freischaltung der Publikationsoberfläche sowie die Digitalisierung und Verzeichnung von Handschriften und Drucken im Mittelpunkt, so macht sich das inzwischen vergrößerte Team in der zweiten Hälfte der Projektlaufzeit (2015–2018/19) vor allem an den Abschluss der Neutranskription von fast 2.500 bisher unedierten Briefen. Auf der Grundlage einer XML-basierten Textauszeichnung werden zahllose kommentierende Informationen zu in den Briefen genannten Personen, Werken, Orten und Zeitschriften erarbeitet und dem Nutzer bereitgestellt.

Schlegel

Ansprechpartner:

Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)
Prof. Dr. Thomas Bürger
Generaldirektion
Tel.: 0351 4677-123
E-Mail: thomas.buerger@slub-dresden.de

Philipps-Universität Marburg
Professor Dr. Jochen Strobel
Institut für Neuere deutsche Literatur
Tel.: 06421 28-24651
E-Mail: jochen.strobel@uni-marburg.de

Dr. Claudia Bamberg
Institut für Neuere deutsche Literatur
Tel.: 06421 28-24905
E-Mail: claudia.bamberg@uni-marburg.de

Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften der Universität Trier
Geschäftsführung
Dr. Thomas Burch
Tel.: 0651 201-3364
E-Mail: burch@uni-trier.de

http://www.august-wilhelm-schlegel.de/briefedigital/

 

 

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