Digitalität

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Digitalität in den Geisteswissenschaften?

Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Gesellschaftsbereiche erfasst und verändert. So macht sie auch vor den Geisteswissenschaften nicht halt, die zunehmend digitale Technologien in ihre Arbeitspraxis einbeziehen, entsprechende Studiengänge einrichten und sich fächerübergreifend der großen Schlagworte „Digital Humanities“, „Big Data“ und „Open Access“ bedienen. Der technologische Wandel generiert dabei in den geisteswissenschaftlichen Fächern nicht nur neue Untersuchungsgegenstände und Methoden. Er greift vielmehr in fachspezifisch tradierte Praktiken ein und stellt bisherige Routinen auf die Probe.

Während die Arbeit am und mit dem Digitalen von einem Teil der Forschungsgemeinschaft häufig als fruchtbar in Bezug auf neue Einsichten für viele Wissensbereiche in den Geisteswissenschaften gesehen und als Möglichkeit der Erneuerung (wenn nicht gar als einzige Überlebenschance) der klassischen Geisteswissenschaften ausgewiesen wird, stellen viele Forscher*innen auch skeptische Fragen. Legen sich die Geisteswissenschaften mit der Digitalisierung nur ein effizienteres Instrumentarium zu oder tauschen sie ihre epistemischen Ideale gegen jene aus den natur- und sozialwissenschaftlichen Fächern ein? Wie verändert sich das geisteswissenschaftliche Rollenverständnis unter den Vorzeichen von Open Access, interaktiver Textproduktion, Wikipedia und digitalen Archiven? Letztlich also: Wie verändert Digitalität unsere Forschung?

Die Symposienreihe „Digitalität in den Geisteswissenschaften“ möchte sich dieser Fragen annehmen, da sie bislang noch nicht hinreichend reflektiert wurden. Sie versteht sich als interdisziplinäres Diskussionsforum zur wissenschaftlichen Reflexion der Potenziale und Grenzen von Digitalität und damit korrespondierenden neuen Arbeitsformen und Erkenntnismöglichkeiten in den Geisteswissenschaften. Hierzu werfen mehrere Veranstaltungen einen Blick auf Spielräume, Erwartungen, Befürchtungen, Probleme und Herausforderungen, die sich aus der Verschränkung von Informatik und Geisteswissenschaften ergeben und den Umgang mit digitalen Technologien prägen. „Digitalität“ bezeichnet in diesem Zusammenhang weniger technische Prozesse oder den Vorgang des Digitalisierens, sondern hebt auf die Effekte immer stärker mit digitalen Mitteln arbeitenden Geisteswissenschaften ab und fokussiert epistemologische wie methodologische Implikationen.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Huber, Prof. Dr. Sibylle Krämer und Prof. Dr. Claus Pias und gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) widmen sich Vertreter*innen der verschiedenen geisteswissenschaftlichen Fächer sowie der angrenzenden Wissenschaftsbereiche Aspekten rund um die Veränderung wissenschaftlicher Forschungsgegenstände, wissenschaftlicher Karrieren und des wissenschaftlichen Selbstverständnisses in den Geisteswissenschaften.