5. Binnenkonflikte

„Wozu Digitale Geisteswissenschaften? Innovationen, Revisionen, Binnenkonflikte“

Termin: 20. bis 22. November 2019
Ort: Leuphana Universität Lüneburg, Zentralgebäude (Gebäude 40)

Die fünfte Veranstaltung unserer Symposienreihe widmet sich der Frage nach dem Verhältnis zwischen Geisteswissenschaften und Digital Humanities und fragt insbesondere nach dem bislang unklaren Status der emergierenden Digital Humanities zwischen Autonomie und Integration. Bilden die auf der Verbindung von Informatik und Geisteswissenschaften beruhenden Digital Humanities eine eigene Form von Fachlichkeit aus und konsolidieren sich damit ›neben‹ den geisteswissenschaftlichen Fächern? Oder werden sie deren integraler Bestandteil, indem sie die geisteswissenschaftliche Forschungsagenda um solche Fragen ergänzen, die nur mit digitalen Methoden zu bearbeiten sind? Was versprechen die Digital Humanities, was verspricht die Digitalisierung für die Geisteswissenschaften und wie verhalten sich diese beiden Versprechen zueinander?

Das Symposium will Geisteswissenschaften und Digital Humanities in einen produktiven Dialog bringen.

Dabei soll es erstens darum gehen, durch welche Innovationsaussichten und genuin neuen Erkenntnisse sich digitale Forschungsmethoden legitimieren. Welche Fortschrittsrhetoriken (etwa der Verwissenschaftlichung) werden in Anschlag gebracht? An welche unterschiedlichen Öffentlichkeiten wenden sich diese Innovationen?

Zweitens soll es um das Verhältnis von Revisionsbedarf und Revisionsanspruch gehen, das sich aus der wechselseitigen Beobachtung von Digital Humanities und Geisteswissenschaften ergibt. Was bedeutet der Anspruch kraft computationaler Analysemethoden geisteswissenschaftlich empirisch arbeiten zu können? Inwieweit ist das Verhältnis von Quantität und Qualität neu zu denken? Warum soll das Konzept der Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen auch in den Geisteswissenschaften an Bedeutung gewinnen? Gewinnen tradierte Grundbegriffe wie »Text«, »Bedeutung«, »Lesen« eine neue Kontur? Können blinde Flecken hermeneutisch verfahrender Geisteswissenschaften aufgedeckt werden? Was geht hinsichtlich der geisteswissenschaftlichen Befähigung zu Interpretation und Kritik verloren welche Befähigungen werden aufgrund der Fokussierung auf informatikgestützte Methoden beansprucht? Wer spricht überhaupt in welcher Hinsicht und zu welchem Zweck von »Revision«?

Drittens und zuletzt sollen jene Binnenkonflikte thematisiert werden, die dadurch entstehen, dass Digital Humanities sich als Forschungsparadigma eigenen Rechts konstituieren. Warum werden Forschungsergebnisse wechselseitig nicht zur Kenntnis genommen? Warum werden bestimmte Fragen (und Antworten) als sinnlos oder sinnhaft ausgeschlossen oder integriert? Welche Rolle spielt dabei das Förderhandeln und die Art und Weise der Institutionalisierung?

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