Digitalität in den Geisteswissenschaften

Ein Nachschlagewerk zu den digitalen Geisteswissenschaften

Digitalität

Digitalität beschreibt mehr als die bloße Tatsache, dass etwas digital vorliegt. Der Begriff meint eine Bedingung des Denkens und Arbeitens, die entsteht, wenn digitale Verfahren selbstverständlicher Teil der Kultur werden. Er fragt nicht nur, was der Computer kann, sondern was sich verändert, wenn er überall mitwirkt.

Herkunft des Begriffs

Das Wort ist eine Bildung zu „digital", ähnlich wie „Modernität" zu „modern". Während „Digitalisierung" den Vorgang beschreibt, etwas von einer analogen in eine digitale Form zu überführen, zielt Digitalität auf den Zustand, der daraus folgt. Nicht der einzelne Scan eines Manuskripts ist gemeint, sondern die veränderte Lage, in der Texte, Bilder und Daten grundsätzlich vernetzt, durchsuchbar und wandelbar geworden sind.

Warum das für die Geisteswissenschaften zählt

Die Geisteswissenschaften untersuchen, wie Menschen Bedeutung schaffen: in Sprache, Kunst, Geschichte und Gesellschaft. Wenn diese Bedeutungsformen zunehmend digital entstehen, zirkulieren und gespeichert werden, dann verändert sich auch ihr Gegenstand. Ein Brief, der nie gedruckt, sondern nur verschickt und wieder gelöscht wurde, hinterlässt andere Spuren als ein Brief im Archiv. Digitalität lädt dazu ein, solche Verschiebungen ernst zu nehmen, statt das Digitale nur als Hilfsmittel zu behandeln.

Zwischen Werkzeug und Gegenstand

Damit steht das Digitale in den Geisteswissenschaften auf zwei Seiten zugleich. Es ist Werkzeug, mit dem geforscht wird, etwa wenn große Textmengen ausgewertet werden. Und es ist Gegenstand, über den geforscht wird, etwa wenn man untersucht, wie soziale Netzwerke die Sprache prägen. Diese Doppelrolle macht das Nachdenken über Digitalität anspruchsvoll und zugleich reizvoll: Man benutzt genau das, was man zu verstehen versucht.